Tippmann, Christian: Tagebuchnotiz nach einem Waldbrand 2018

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Tagebuchnotiz nach einem Waldbrand 2018

Von Christian Tippmann, Mitglied im Vorstand der IG BAULandesvertretung Forst Brandenburg und Revierleiter in der Oberförsterei Potsdam des Landesbetriebs Forst Brandenburg.

Es brennt….

Der Waldarbeiter auf dem Feuerwachturm hat einen Waldbrand lokalisiert und meldet diesen sofort weiter an den diensthabenden Revierförster. Der informiert seinen in Rufbereitschaft versetzten Traktoristen und schickt ihn unverzüglich zur gemeldeten Brandfläche. Hier wird das Bodenfeuer, das sich bedingt durch den starken Wind über den freigeräumten, wundgehaltenen* Brandschutzstreifen ausgedehnt hat, mit mehrfachem Umpflügen der Waldbrandfläche an einer weiteren Ausbreitung gehindert…

Nein, falsch… das war ja eine Seite aus den neunziger Jahren!

Es brennt….

Der diensthabende Revierförster wird, wie so oft, weder von der Waldbrandzentrale, noch von der Leitstelle informiert. Er erfährt über Eilmeldung aus dem Rundfunk und eigene Recherchen, dass es brennt. Stunden später wird er offiziell informiert. Einsatzbesprechung – er steht in der „dritten Reihe“ und ist Statist im Wald. Es sind keine in Rufbereitschaft versetzten Traktoristen noch Traktoren zur Bodenverwundung mehr vorhanden. Die Brandschutzstreifen werden seit Jahren, außer im Landeswald und Bundeswald, nicht mehr wundgehalten. Die Zuwegungen sind oft zugewachsen und von umgestürzten Bäumen blockiert. Was für ein Glück: Die Brandwache kann über den Revierförster durch die betroffenen Waldbesitzer organisiert werden. Die letzten zwei verbliebenen Waldarbeiter der Dienststelle wurden nicht in Rufbereitschaft versetzt, verfolgen aber jeden Abend voller Spannung die Berichterstattung der Medien und sehen „ihren Förster“ im Fernsehen!

Was muss künftig passieren?

Etwa 500 Mal loderte es in diesem Jahr in den brandenburgischen Wäldern. Die Großbrände bei Lieberose, Treuenbrietzen und Fichtenwalde waren dramatisch. Insbesondere durch die große Einsatzbereitschaft der freiwilligen Feuerwehren konnten größere Schäden verhindert werden. Die IG BAU wirft der Landesregierung Brandenburg vor, den Forst über Jahre „kaputtgespart“ zu haben und fordert mehr Personal. Zwischenzeitlich schwächte die Landesregierung das Vorhaben einer drastischen Reduzierung der Personalstellen ab, wie es ab 2019 vorgesehen war. Brandschutz reicht von der gesunden Bewirtschaftung der Wälder bis hin zur Beobachtung in den Zentralen – und dafür brauchen wir ausreichend gut ausgebildete Forstbeschäftigte!

* nicht befestigter Streifen (Weg), der aus Brandschutzgründen dauerhaft vegetationsfrei gehalten wird

Quelle: Beamten-Magazin 10/2018

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