Lück-Schneider, Dagmar: Digitalisierung muss sich in Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen niederschlagen! (aus Beamten-Magazin 10/2016)

Foto: Katharina Rodeike

Digitalisierung muss sich in Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen niederschlagen!

Von Dagmar Lück-Schneider, Professorin für Verwaltungsinformatik der HWR Berlin, Sprecherin der Fachgruppe Verwaltungsinformatik der Gesellschaft für Informatik

Der Stand der technologischen Entwicklungen ermöglicht der öffentlichen Verwaltung, ihre Leistungen verstärkt automatisiert, aber auch in neuen Formen der Zusammenarbeit zu erbringen. Diese Möglichkeiten zu sehen und auch ihre organisatorisch-juristische Seite bewerten zu können, macht es aus Sicht der Fachgruppe erforderlich, dass die Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung künftig sowohl über ein grundsätzliches Verständnis von Verwaltungshandeln als auch von IT-Potenzialen verfügen müssen. Hinzu kommt spezifisches Methodenwissen um Transformationsprozesse erfolgreich realisieren zu können.

In zwei vom IT-Planungsrat 2014 und 2015 in Auftrag gegebenen Studien wurden Rollen herausgearbeitet, die in diesem Kontext für die öffentliche Verwaltung wesentliche Bedeutung besitzen. Je nachdem, in welcher Rolle man sich befindet, wird mal der Anteil an Verwaltungskompetenz stärkere Bedeutung besitzen, mal der Anteil an spezifischen IT-Kompetenzen.

Das derzeitige Hochschulsystem bietet für Kombinationen aus diesen Feldern bislang wenig Raum. Selten werden Verwaltungskompetenzen und IT-Kompetenzen miteinander verzahnt gelehrt, so wie etwa an der HWR Berlin (Bachelor Verwaltungsinformatik) oder an der FHSV in Meißen (IT-Governance). Die Ausbildungen für die allgemeine Verwaltungslaufbahn weisen kaum Grundlagen auf, die für EGovernment-Umsetzungen erforderlich wären. Und umgekehrt haben auch Informatik-Studiengänge, die nicht an Fachbereichen angesiedelt sind, die verwaltungsnah ausgerichtet sind, Schwierigkeiten, das gesamte Spektrum verwaltungsnaher Inhalte in ihren Angeboten unterzubringen. Dennoch ist zu fordern, dass künftig IT-Inhalte auch in die allgemeine Verwaltungsausbildung einfließen. Insofern muss sich nicht nur hinsichtlich der Aus- und Weiterbildung einiges verändern, sondern auch die Aus- und Weiterbildungslandschaft.

Um nicht über das Ziel hinauszuschießen, muss allerdings gemeinsam mit der Praxis ermittelt werden, welche Inhalte auf welchen Ebenen (z. B. Bachelor, Master) zweckmäßigerweise anzusiedeln sind, weil hiervor nicht unerheblich die anschließende Bezahlung und mögliche Karrierewege abhängen.

Quelle: Beamten-Magazin 10/2016

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