Müller, Jörg: Grenzen längst erreicht! (aus Beamten-Magazin 04/2016)

Foto: Kalle Meyer

Jörg Müller
Vorsitzender der Bundesvertretung Beamtinnen/Beamte und Angestellte in Forst und Naturschutz in der IG BAU

Der öffentliche Forstbereich der Länder und des Bundes hat in den vergangenen 15 Jahren intensive Veränderungen erfahren. Unter den Schlagwörtern „schlanker Staat“ und „Neues Steuerungsmodell“ erfolgten zwischen den Jahren 2001 bis 2010 in fast allen deutschen Bundesländern Organisationsänderungen. Dabei wurden aus bundesweit ziemlich einheitlich strukturierten Landesforstverwaltungen neue Landesforstbetriebe oder Anstalten des öffentlichen Rechts geformt. Hinzu kam vielfach eine organisatorische und personelle Trennung der Wahrnehmung von hoheitlichen und gemeinwohlorientierten Aufgaben sowie der Landeswaldbewirtschaftung. Heute ist kaum noch ein Vergleich zwischen den Bundesländern möglich!

Drastische Personalkürzungen

Im Rahmen der zum Teil drastischen Personalkürzungen gab es unterschiedlichste Modelle der Ausdünnung von Arbeitszeit und Stellen. Beispielhaft sind Sozialtarifverträge (Brandenburg) oder die Umschulung in andere Berufsfelder (z.B. Lehrer, Polizisten). Stellennachbesetzungen gab es kaum. Die Anzahl der staatlich beschäftigten WaldarbeiterInnen sank bundesweit von etwa 21.000 im Jahr 1995 auf 10.000 im Jahr 2007. Wenn auch abgeschwächt, trifft dieser Trend ebenso auf BeamtInnen und Angestellte zu. Sicher, durch neue Technologien erfolgt meist Rationalisierung. Vieles erleichtert schwere körperliche Forstarbeit und vereinfacht Verfahrensabläufe. Die zu erledigenden Arbeitsfelder blieben jedoch erhalten und gut ausgebildete junge AbsolventInnen fanden in den 2000er Jahren kaum eine öffentliche Anstellung. Also wurden und werden die Arbeiten vom Holzfällen bis zur Durchführung komplizierter Waldinventuren ausgeschrieben und zunehmend privat erledigt. Fehlende Tarifbindungen im Privatbereich und schwache Kontrollen setzten einen Kreislauf in Gang, der nur eine weitere Richtung kannte… mehr öffentlichen Personalabbau, Erhöhung des Durchschnittsalters, mehr Auslagerung fachlicher Arbeiten.

Multifunktionale Forstwirtschaft und soziale Standards

Forstleute arbeiten nach einem hohen Berufsethos. Dieser beruht maßgeblich auf der Kenntnis über nachhaltige Waldentwicklungen, berücksichtigt langfristige Zeiträume und steht für regionale Verbundenheit. Dies ist auch gut so, denn für den Wald gilt weitgehend ohne Berücksichtigung der Eigentumsverhältnisse ein freies Betretungsrecht. Jeder kann sich selbst seine Meinung bilden, wie Erholung, Wirtschaft und Schutz auf den Waldflächen umgesetzt werden. Als Gewerkschaft unterstützen wir die Sichtweise einer multifunktionalen Forstwirtschaft und stellen klare Anforderungen an eine solide Fachausbildung. Diese muss unabhängig von Berufsgruppe (Forstwirt oder Förster) bzw. Statusgruppe (BeamtInnen oder Beschäftigte) gewährleistet sein. Für unsere Gewerkschaft entstanden insbesondere durch die Änderungen im öffentlichen Forstsektor neue Herausforderungen. Durch die Mitarbeit in den beiden großen Forstzertifikaten FSC und PEFC gelingt es zunehmend besser, soziale Standards auf hohem Niveau durchzusetzen, die auch in den privaten Sektor ausstrahlen. Die Teilnahme von Forstbetrieben bleibt jedoch freiwillig.

Personalräte gestalten mit

Mittlerweile erkennen die Verantwortlichen in den neuen staatlichen Organisationsformen, dass ständiger Personalschwund zur „Schwindsucht“ führt. In einigen Betrieben (Hessen) und Anstalten des öffentlichen Rechts (Bayern) gelang es bereits in Zusammenarbeit mit Personalräten, eine Steuerung von Personalentwicklung mit Zukunftspotentialen zu vereinbaren. Zu unseren Kernforderungen gehört, dass die Personalentwicklung in allen öffentlichen Forstbetrieben endlich wieder nachhaltig gestaltet wird.

Quelle: Beamten-Magazin 04/2016

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