Meerkamp, Achim: Gemeinsam gegen Gewalt! (aus Beamten-Magazin 06/2015)

Gemeinsam gegen Gewalt!

Von Achim Meerkamp, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands

Foto: ver.di

Verbale Beschimpfungen und Beleidigungen, die Androhung oder gar Ausübung körperlicher Gewalt gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind leider kein neues Thema. Allerdings beobachten wir, dass Übergriffe und Bedrohungen zunehmen. Nicht nur die Beschäftigten der Jobcenter sind betroffen, auch in Bürgerämtern, bei den Gerichten, der Überwachung des ruhenden Verkehrs und im öffentlichen Nahverkehr gewinnt das Problem an Bedeutung, und nicht nur dort. Die Palette der Gewalt geht von einfachen Beschimpfungen, Anschreien und Beleidigungen über das Werfen von Gegenständen und Randalieren bis hin zu Gewaltszenarien, die das Eingreifen spezieller Polizeieinheiten erforderlich machen.

Einen Grund sehen wir in der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt und machen nicht direkt die Politik dafür haftbar. Im Gegenteil: Es wird immer weniger Einfluss genommen, die Wahlbeteiligung in Deutschland sinkt verbreitet. Vielmehr werden Beschäftigte im öffentlichen Dienst oft für die persönliche Situation verantwortlich gemacht und zur Zielscheibe für Gewalt und Aggression.

Gleichzeitig ist die Personaldecke in den Bereichen mit Publikumsverkehr immer dünner geworden. Wenn ein hoher Befristungsanteil zudem dazu führt, dass die Fluktuation groß ist und Beschäftigte immer wieder neu eingearbeitet werden müssen, Bürgerinnen und Bürger, Klienten und Kunden sich immer wieder auf neue Ansprechpartner und -partnerinnen einlassen müssen, hilft das nicht bei der Gewaltprävention. Beschäftigte müssen neben einer guten Qualifikation und Erfahrung vor allem die Zeit haben, um sich auf die individuellen Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger einstellen zu können. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass ihr Arbeitgeber alles unternimmt, um körperliche und seelische Gewalt zu verhindern. Die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten muss Priorität haben, die öffentlichen Arbeitgeber haben deshalb die Verantwortung für eine effektive Gewaltprävention in den Dienststellen. Dafür können sie auf gute Projektergebnisse, die übertragbar sind, zurückgreifen. Für die Beratung, Unterstützung und Zusammenarbeit sind Unfallkassen, Polizei und Ämter für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit wichtige Partner. Mit einer Vielzahl von personellen, technischen und organisatorischen Maßnahmen kann wirkungsvoll vor Gewalt am Arbeitsplatz geschützt werden. Doch die sind nicht zum Nulltarif zu bekommen. Die Sicherheit der Beschäftigten darf nicht von der Haushaltslage abhängig gemacht werden.

Quelle: Beamten-Magazin 06/2015

mehr zum Thema:
Startseite | Newsletter | Kontakt | Impressum
www.beamten-magazin.de © 2019