Gerbsch, Andreas: Alltägliche Diskriminierung (aus Beamten-Magazin 09/2009)

Alltägliche Diskriminierung

Andreas Gerbsch vom VelsPol-BB zur Benachteiligung homosexueller Polizeibeschäftigter

Man sollte meinen, dass die Diskriminierung homosexueller Polizeibeschäftigter in der heutigen Zeit kein Thema mehr ist. Leider ist sie ein Thema – auch heute noch. Ich bin Andreas Gerbsch, 43 Jahre alt, homosexuell, seit fast 21 Jahren bei der Berliner Polizei und Polizeioberkommissar. Seit zehn Jahren lebe ich offen schwul und bin Mitglied im Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter Berlin Brandenburg (VelsPol-BB). VelsPol-BB kämpft dafür, dass lesbische, schwule, bisexuelle und transidentische Kolleginnen und Kollegen innerhalb der Polizei nicht benachteiligt werden, dass Vorurteile innerhalb und außerhalb der Polizei abgebaut werden. Wir unterstützen Polizistinnen und Polizisten in Gesprächen und durch Erfahrungsaustausch, stehen der Behörde beratend zur Seite und engagieren uns in Fortbildungsveranstaltungen. Wer wegen seiner sexuellen Orientierung verachtet und verletzt wird, kann darüber nicht lachen. Höflichkeiten entfallen. Wenn man den Raum betritt, wird das Gespräch unterbrochen und Schweigen tritt ein. Private Belange werden nicht ernst genommen, eine notwendige Dienstbefreiung wird nicht gewährt. Man bekommt keine Möglichkeit, sich für ein höheres Amt zu qualifizieren. Bei der Beurteilung wird einem vorgeworfen, man sei unkollegial, nicht flexibel, egoistisch und faul und darum nicht geeignet, befördert zu werden. Eine große Zahl von Lesben und Schwulen in den Dienststellen hat sich bis heute nicht geoutet. Sie befürchten, dass ihre sexuelle Orientierung ein berufliches Hindernis sein könnte. Allzu schnell kann sie zum Hebel für den Schleudersitz werden. Aber es gibt auch positive Beispiele: Ein homosexueller Kollege berichtete, dass er regelmäßig am Dienstsport teilnimmt. Ihm kam die Äußerung eines Kollegen zu Ohren, dass ein Schwuler nichts in der Umkleidekabine für Männer zu suchen habe. Um einen Konflikt zu vermeiden, entschloss er sich, so lange vor der Umkleidekabine zu warten, bis alle Kollegen fertig waren, um anschließend zu duschen und sich anzuziehen. Unterstützung erhielt dieser Kollege von seinem Chef. Der stellte klar: Wer ein Problem mit Homosexuellen habe, habe dort nichts zu suchen. Ein mutiges Zeichen – aber eben nur ein Einzelfall. Die Diskriminierung homosexueller Kolleginnen und Kol le gen innerhalb der Polizei wird so lange auf der Tagesordnung bleiben, bis dienstrechtliche Maßnahmen zu deren Schutz ergriffen und durchgesetzt werden.

Quelle: Beamten-Magazin 9/2009






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