Ausgabe 2014/02: Förster und Försterin


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Foto: Landesforsten Rheinland-Pfalz /Markus Hoffmann

Personalabbau und damit größere Forstreviere, steigender Altersdurchschnitt der Beschäftigten, wachsender Arbeitsdruck: Auch der Forstdienst ist nicht vor aktuellen Entwicklungen, wie sie im gesamten öffentlichen Dienst stattfinden, gefeit. Zugleich bietet er eine Besonderheit. Der staatliche Wald ist auf Grund des Rohstoffs Holz ein Wirtschaftsfaktor. Försterinnen und Förster kümmern sich um den Wald, betreiben zudem Natur- und Artenschutz und sorgen dafür, dass der Wald von Bürgerinnen und Bürgern als Erholungsraum genutzt werden kann. Das Magazin für Beamtinnen und Beamte stellt den Beruf näher vor.

Die Bundesrepublik Deutschland ist zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Die unglaubliche Fläche von 11,1 Millionen Hektar befindet sich zu etwas mehr als 53 Prozent in öffentlichem Besitz von Ländern, Kommunen und Bund, 47 Prozent in Privatbesitz. Diese Waldflächen werden von ca. 10.000 Försterinnen und Förstern aller Laufbahnen im Innen- und Außendienst betreut, geschützt, entwickelt, bewirtschaftet und verwaltet. Eine ebensogroße Herausforderung wie Verantwortung, schließlich betreut jede Försterin, jeder Förster rechnerisch die Waldfläche für etwa 8.000 Menschen. 

Professionalisierung der Forstwirtschaft

Bereits im 15. Jahrhundert waren die Wälder Europas durch unkontrollierte Rodung, Nutzung und Raubbau bedroht, der Bedarf an Bauholz, Brennholz (Köhlerholz) und Freiflächen für Ackerland war riesig, Regeln zum Erhalt der Wälder gab es nicht. Um diesem Dilemma zu entgehen und die Wälder als Rohstofflieferant und Jagdfläche zu erhalten, gab es erste Bemühungen dem entgegenzuwirken. Ganze Waldflächen wurden gesperrt, die Nutzung begrenzt und Regeln unterworfen. Bis zum Jahre 1713 erfolgte das mal mehr und mal weniger, eigentlich eher sporadisch. Freiherr Hans Carl von Carlowitz hat 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit definiert: Es darf nur soviel Holz geschlagen werden wie nachwächst. Dabei hat die Nutzung so zu erfolgen, dass der Boden seine Leistungskraft behält. Ab 1740 hat sich dadurch der Beruf des Försters etabliert, die geregelte Forstwirtschaft wurde ins Leben gerufen. Aus Eichenbindern, Heidereitern und Heideläufern wurden Förster, die in Forstämtern und in Forstrevieren ganzheitliche Verantwortung übernommen haben. Ein System das im Grundsatz bis heute Bestand hat, auch wenn die Versuchung wieder mehr Ressourcen aus den Wäldern herauszuholen, auch diesbezüglich immer wieder zu Diskussionen führt. Der Begriff der Nachhaltigkeit und seine Definition ist aktuell in aller Munde; ein Evergreen.

Wächter der Waldhoheit

Die Aufgaben der Försterinnen und Förster sind vielschichtig und unterscheiden sich je nachdem wo und für welche Besitzart sie tätig werden und in welcher Laufbahn sie sich befinden. Die Waldhoheit liegt bei den Ländern, ihre staatlichen Forstämter setzen als untere Naturschutzbehörden die einschlägigen Gesetze um, in dem sie ihre Einhaltung überwachen und Verstöße gegebenenfalls ahnden. Diese hoheitlichen Aufgaben und Befugnisse erstrecken sich auch auf Kommunal-, Bundesund Privatwald. Die Försterinnen und Förster der Staatsforstverwaltungen legen deshalb nach dem Studium Laufbahnprüfungen ab und werden verbeamtet. Eine Besonderheit in der Forstbranche ist das Forstwirtschaftsjahr, das sich an der Vegetationsperiode ausrichtet. Es beginnt am 1. Oktober und endet am 31. September des Folgejahres. Daran orientiert sich die Jahres- und Arbeitsplanung eines Forstbeamten.

Von Holzernte bis Natur- und Artenschutz

Der Arbeitsalltag eines Durchschnittsförsters im Staatsdienst könnte sich folgendermaßen abspielen. Arbeitsbeginn am Dienstag dem 1. Oktober 2013 um 7:00 Uhr. Die Einschlagssaison beginnt, die Waldarbeitergruppe, bestehend aus vier Forstwirten, muss für die erste Hiebsmaßnahme des Forstwirtschaftsjahres eingewiesen werden und ihren Arbeitsauftrag erhalten. Dafür werden im Büro die erforderlichen Unterlagen zusammengestellt und der Arbeitsauftrag vorbereitet. Die Abfahrt am Forstdienstgehöft zur 6 Kilometer entfernten Waldabteilung 624 A 3 erfolgt um 7:40 Uhr um rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt vor Ort zu sein. Pünktlich um 8:00 Uhr begrüßt man sich und kommt zur Sache. Der Förster stimmt die Waldarbeiter auf den ersten Holzeinschlag des neuen Forstwirtschaftsjahres ein, erklärt wie viele Holzerntemaßnahmen (Schläge) diesem folgen sollen und wie viel Holz und welche Sortimente bis zum kommenden Frühjahr geschlagen werden sollen. Dann wird eine allgemeine Belehrung zur Arbeitssicherheit durchgeführt mit besonderem Augenmerk auf den aktuellen Arbeitsauftrag. Safty first ist die Devise. Ferner werden die Forstwirte zur Gesundheitsprävention dazu motiviert, die eine oder andere Gymnastikübung in den Arbeitsablauf einzubauen, um einseitiger Belastung durch Zwangshaltung entgegenzuwirken. Dann werden die notwendigen Absperr- und Verkehrssicherungsmaßnahmen besprochen, die Arbeitsverfahren, die Fällrichtung und die herzustellenden Sortimente festgelegt und all dies im Arbeitsauftrag vermerkt. Nach Unterschrift des Arbeitsauftrages geht es, inzwischen ist es 11:00 Uhr, zurück zur Försterei. Der Anrufbeantworter blinkt, das Forstamt erwartet einen Rückruf. Der Büroleiter teilt mit, dass sich für den nächsten Tag um 10:00 Uhr die Firma „Axt im Walde“ zur Holzwerbung in der Abteilung 634 B 5 angesagt hat und darum bittet eingewiesen zu werden. Ferner lässt der Vorsteher fragen, warum schon wieder keine Herbstpflanzung durchgeführt wird und ob und warum Frühjahrspflanzung geplant sei. Die Aussagen würden schnellst möglich gebraucht um die Ausschreibungen vorzubereiten. Dann hätte ein besorgter Bürger angerufen der einen privaten Waldbesitzer bezichtigt, einen unerlaubten Kahlhieb durchzuführen. Das ist unverzüglich zu überprüfen. Um 15:00 Uhr sagt sich ein Jagdgast an der einen Damhirsch schießen will, er muss geführt werden. Dieser Arbeitstag endet gegen 19:00 Uhr mit der Erkenntnis, dass der Privatwaldbesitzer seinen gesetzlichen Spielraum zwar voll ausschöpft aber nicht überschritten hat, der Jagdgast, weil noch nicht zum Schuss gekommen, morgen früh um 6:00 Uhr wieder auf der Matte steht und auch sonst noch genügend Aufgaben zu erledigen und zu erwarten sind.

Der Forstdienst: vielseitig und dynamisch

Schon die Schilderung dieses einen Arbeitstages zeigt, welche Vielfalt und welche Dynamik in diesem Beruf steckt und dass geregelte Arbeitszeiten eher die Ausnahme darstellen. Dabei sind an diesem Tag wesentliche Aufgaben in Natur- und Artenschutz, Forstschutz und Öffentlichkeitsarbeit sowie viele andere Fachbereiche noch gar nicht vorgekommen. Kurzum ein Beruf, der viele Talente voraussetzt, der sehr abwechslungsreich sein kann und der Idealismus und Herzblut erfordert. Studieren kann man an den Universitäten in Dresden, Freiburg, Göttingen und München sowie an den Fachhochschulen in Göttingen, Eberswalde, Rottenburg, Schwarzburg und Weihenstephan. Im gehobenen Forstdienst bewegen sich die Bezüge im Rahmen von A 10 bis A 13 im höheren Forstdienst von A 13 bis A 16, je nach Aufgabe.

Klaus Ullrich
Mitglied in der Bundeskommission für Beamtinnen und Beamte des DGB für die IG BAU

Quelle: Beamten-Magazin 02/2014

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