Ausgabe 2013/01: Trendwende nicht in Sicht


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Trendwende nicht in Sicht

Langzeiterkrankungen in der Bundesverwaltung

Arbeitsverdichtung – Arbeitshetze – Burnout – Langzeiterkrankung: Ist das die logische Abfolge, die hinter steigenden krankheitsbedingten Fehlzeiten von Beschäftigten steht? Die aktuelle Berichterstattung in Presse und Fachliteratur zum Thema Arbeitsbedingungen und betriebliche Gesundheitsförderung macht auf die deutliche Zunahme Beschäftigter aufmerksam, die auf Grund sich verändernder Arbeitsbedingungen erkranken. In dieses Bild passen auch die Zahlen aus dem aktuellen Gesundheitsförderungsbericht der Bundesverwaltung.

Langzeiterkrankungen nehmen zu

In dem jährlich erscheinenden Bericht erläutert das Bundesministerium des Innern (BMI) die Entwicklung krankheitsbedingter Fehltage in der unmittelbaren Bundesverwaltung und geht dabei auf die Personal-, Laufbahn- und Altersstruktur in den einzelnen Behörden und ihren Geschäftsbereichen ein. Der Durchschnitt der krankheitsbedingten Fehltage lag 2011 bei 19,03 Arbeitstagen und war damit 0,97 Arbeitstage höher als im Jahr davor. Der Anstieg geht auf mehr Langzeiterkrankungen zurück, also Erkrankungen mit einer Dauer von über 30 Tagen. Problematisch an der statistischen Auswertung für die Bundesverwaltung sind die fehlenden Erkenntnisse über die Art der Erkrankungen. Über die Krankheitsursachen können folglich lediglich Vermutungen angestellt werden.

Trendwende nicht in Sicht

Der Trend steigender Fehlzeiten werde laut BMI sobald nicht abbrechen. Für die Bundesverwaltung verweisen die Autorinnen und Autoren des Berichts vor allem auf die demografischen Rahmenbedingungen. 2011 waren die Beschäftigten in der Bundesverwaltung im Durchschnitt 45,02 Jahre alt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen dauern Erkrankungen mit zunehmendem Alter länger. Damit lässt sich laut BMI der gestiegene Anteil längerer Fehlzeiten zumindest teilweise erklären. Aus diesem Grund werden im BMI-Bericht alters- und alternsgerechte Maßnahmen für die Handlungsfelder Gesundheit, Arbeitsbedingungen, Führung sowie Fort- und Weiterbildung beschrieben.

Ganzheitliche Herangehensweise

Langsam setzt sich auch bei Skeptikern die Erkenntnis durch, dass betriebliche Gesundheitsförderung nur mit einem ganzheitlichen Ansatz ihre positive Wirkung entfalten kann und zum Beispiel mit Konzepten der Personalentwicklung verzahnt sein muss. So fühlen sich Beschäftigte, die sich für ihre Aufgabe gut gewappnet sehen, seltener überfordert. Auch das BMI verweist auf „individuelle Personalentwicklung sowie maßgeschneiderte Weiterbildungskonzepte in jeder Altersstufe". Daneben seien betriebliche Prävention, Rehabilitationsmaßnahmen und ein Wiedereingliederungsmanagement wichtig.

Konkretes für die Beschäftigten

Für Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte stehen arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren auf der Prioritätenliste ganz weit oben (siehe auch Gastbeitrag und Interview auf Seite 6 und 16). Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ließ von Prof. Gerd Strohmeier, Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz, in einer Studie die Belastungen bei der Bundespolizei ergründen. Aus den Erkenntnissen über die Arbeitsbedingungen hat sie einen Maßnahmenkatalog für eine gesündere Arbeitskultur abgeleitet.

Auf Grund von Umfrageergebnissen zu arbeitsbedingtem Stress, die mit dem DGB-Index Gute Arbeit erzielt wurden, hat der DGB eine Anti-Stress-Verordnung gefordert. Und die IG Metall hat eine Anti-Stress-Initiative gestartet. Betriebsräte sollen mit einem Anti-Stress-Paket unterstützt werden, um mit praktikablen Werkzeugen psychische Gefährdungen zu ermitteln und die Prävention im Betrieb zu stärken.

 

Auf betrieblicher Ebene oder in der Dienststelle schließen Betriebs- bzw. Personalräte Vereinbarungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung und zum betrieblichen Eingliederungsmanagement. Sie können außerdem die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen einfordern, wie sie nach dem Arbeitsschutzgesetz vorgesehen sind.

Für die Schaffung guter Arbeitsbedingungen gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen sowohl die Führungskräfte als auch die Beschäftigten drehen können. Unerlässlich dafür sind aber klare Zuständigkeiten und eine gemeinsame Vorstellung über die eigentlichen Ziele.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2013

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