Ausgabe 2009/02: Alle Fragen offen


SeminarService zum Beamtenversorgungsrecht
Aus der Praxis für die Praxis: für Mitarbeiter/innen von Behörden und sonstigen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes; auch für Personalräte und andere Interessierte geeignet. Termine und Orte >>>www.die-oeffentliche-verwaltung.de


Alle Fragen offen

Krankenstand und Gesundheitsförderung in der Bundesverwaltung

Auch für das Jahr 2007 gilt: Je höher die Laufbahngruppe, desto niedriger der Krankenstand. Aber weshalb Beamtinnen in der unmittelbaren Bundesverwaltung im einfachen Dienst durchschnittlich 36,3 Tage und Beamte im höheren Dienst an 7,2 Tagen im Jahr krank waren, kann auch der aktuelle Krankenstands- und Gesundheitsförderungsbericht nicht beantworten.

Die aktuellen Zahlen zum Krankenstand in der unmittelbaren Bundesverwaltung erscheinen im Vergleich zu den Vorjahren nicht auffällig. Die Bundesverwaltung verzeichnet auch 2007 mit durchschnittlich 15,7 Tagen bzw. 6,3 Prozent der gesamten Arbeitstage vergleichsweise viele krankheitsbedingte Fehltage je Beschäftigten. Der Forderung des DGB nach einer Weiterentwicklung des Berichts über eine bloße Fehlzeitenstatistik hinaus wurde auch diesmal nicht entsprochen. Der Bericht entlässt die Leser/ innen wie bisher mit großen Fragezeichen. Die Ursachen für die Ausprägung der nach Laufbahn- und Statusgruppe sowie nach Geschlecht differenzierten  Krankenstände sind nicht Bestandteil der Auswertung.

Fehlzeiten wieder leicht gestiegen

Der Bericht erfasst die Fehltage von 281.568 Beschäftigten in der unmittelbaren
Bundesverwaltung. Soldatinnen und Soldaten sind nicht berücksichtigt. Im Jahr 2007 gab es 4,4 Millionen Ausfalltage. Damit fehlten an jedem Arbeitstag mehr als 17.600 Beschäftigte. Die Kurzzeiterkrankungen mit einer Dauer von ein bis drei Tagen verzeichnen seit 1995 mit 16 Prozent einen Höchststand. Frauen waren in 2007 durchschnittlich 2,2 Tage häufiger krank als Männer. Der gesamte Krankenstand liegt gegen über 2006 um 0,36 Fehltage höher.

Der Einfluss des Alters bleibt unklar

Auch im diesjährigen Bericht heißt es: „Die Bundesverwaltung hat im Vergleich zum privatrechtlichen Bereich überproportional ältere Beschäftigte. Dies ist eine Hauptursache für die höhere Fehlzeitenquote im Vergleich zur Wirtschaft.“ Bislang war diese Erklärung das Argument gegen einen einfachen Vergleich von Arbeitsunfähigkeitstagen in der Bundesverwaltung und der übrigen Erwerbsbevölkerung. Nun wurden die Fehlzeiten erstmals nach Alter erfasst und es überrascht nicht, dass sie in allen Laufbahngruppen mit zunehmendem Alter der Beschäftigten kontinuierlich ansteigen. Die angekündigte Altersstandardisierung erfolgte nur teilweise, da im Jahr 2007 nur etwa die Hälfte der Beschäftigten der Bundesbehörden in die Altersstrukturanalyse einbezogen wurde. Für die Gegenüberstellung des Krankenstands in der Bundesverwaltung und in der gesetzlichen Krankenversicherung wurden zunächst die unterschiedlichen
Verfahren der Fehlzeitenermittlung berücksichtigt. Die auf dieser Grundlage durchgeführte Gewichtung nach Alter ergibt eine Fehlzeitenquote von 5,5 Prozent in der Bundesverwaltung gegenüber 3,2 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung. Nun muss abgewartet werden, wie dieser Unterschied aussieht, wenn in der nächsten Erhebung eine vollständige Altersstandardisierung erfolgt.

Gesundheitsförderung ist (nicht) nur ein Wort

Die Ergebnisse der Abfrage über Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der unmittelbaren Bundesverwaltung werden im zweiten Teil des Berichts dargestellt. Allerdings fehlt der Bezug der beiden Kapitel zueinander. Dabei wäre es nur konsequent, Erkenntnisse über den Krankenstand und daraus abzuleitende  Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der Beschäftigten zu verknüpfen. Noch nimmt die Auflistung der geplanten Maßnahmen im Verhältnis zur Darstellung der Ergebnisse viel Platz ein. Praxisbeispiele fehlen ganz. Immerhin wird erklärt, dass Ursachen für Fehlzeiten ermittelt und gesundheitliche Belastungen identifiziert werden müssen. Für die Bedarfsermittlung der Gesundheitsförderung könnten auch Befragungen angewandt werden. Derzeit stützen sich Maßnahmen zur Gesundheitsförderung nur bei der Hälfte der Bundesbehörden auf eine solche Bedarfsermittlung. Es bleibt zu hoffen, dass die von der Unfallkasse des Bundes zu entwickelnde Muster-Mitarbeiterbefragung diesen Anteil erhöht.

Arbeitsbedingungen dürfen nicht krank machen

Letztlich liegen noch viel zu wenige Erfahrungen über den Nutzen der Gesundheitsförderung in der unmittelbaren Bundesverwaltung vor. Das Fazit des Berichts lautet dennoch, Gesundheitsförderung werde erfolgreicher umgesetzt als in den Vorjahren. Der Gradmesser für erfolgreiche Gesundheitsförderung bleibt indes unklar. Um die Gesundheit der Beschäftigten gezielt fördern zu können, müssen Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie nicht krank machen. Ohne eine Suche nach den Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten und ohne eine fundierte Bedarfsermittlung wird dies nur schwer gelingen.

Weitere Informationen:

www.bmi.bund.de

(Themen A – Z - Öffentlicher Dienst -
Weitere Themen - Krankenstand)

Quelle: Beamten-Magazin 02/2009

















zurück zur Übersicht
Startseite | Newsletter | Kontakt | Impressum
www.beamten-magazin.de © 2017