Ausgabe 2008/08: Von Entgeltgleichheit kann keine Rede sein


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Von Entgeltgleichheit kann keine Rede sein

Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern im öffentlichen Dienst

Auch im öffentlichen Dienst kann von Entgeltgleichheit nicht gesprochen werden. Frauen verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Erklärungen der Arbeitgeber überzeugen nicht. Gefordert ist ein Kulturwandel im öffentlichen Dienst, der mittelbare Diskriminierungen beseitigt und die Tätigkeit(en) von Frauen gerecht bewertet.

Beamtinnen und Richterinnen verdienen rund 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Besonders krass sind die Unterschiede im mittleren und im höheren Dienst (siehe Tabelle). Häufig dient der Hinweis auf die hohe Teilzeitquote der Frauen zur Erklärung. Ein Argument, dass bei näherer Betrachtung kaum Stand hält, denn auch vollzeitbeschäftigte Frauen erhalten im Schnitt erheblich weniger Besoldung als Männer.

Teilzeitbeschäftigung ist nur ein Faktor

Fast die Hälfte der Beamtinnen und Richterinnen sind teilzeitbeschäftigt und der Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigten beträgt etwa 80 Prozent. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften nahm dies jüngst zum Anlass, die Mehrarbeitsvergütung im Besoldungsrecht zu kippen, weil sie Teilzeitbeschäftigte und damit Frauen benachteilige: Ein klarer Verstoß gegen das Gebot der Entgeltgleichheit.

Je höher die Besoldungsgruppe, desto geringer der Frauenanteil

Formal werden im Besoldungsrecht gleiche Tätigkeiten auch gleich bezahlt. Die Zollsekretärin (A 6) verdient genauso viel wie der Zollsekretär, die Ministerialrätin und der Ministerialrat werden beide nach B 3 bezahlt. Dennoch verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im mittleren Dienst 13 und im höheren Dienst 12 Prozent weniger. Im Gegensatz zu den Männern erreichen sie seltener das Spitzenamt der Laufbahn. Die Geschlechterverteilung im höheren Dienst (siehe Graphik) macht dies besonders deutlich: Je höher die Besoldungsgruppe, desto geringer der Frauenanteil. Das bestätigt auch der EU-Bericht „Frauen und Männer in Entscheidungspositionen 2007": Weniger als 15 Prozent der Abteilungsleitungen hierzulande sind mit Frauen besetzt; Staatssekretärsposten: Fehlanzeige. In Teilzeit scheint es sogar fast ausgeschlossen, Führungsfunktionen überhaupt erreichen zu können.

Karriereentwicklung mit Hindernissen

Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung wirken sich mittelbar auf die Karriereentwicklung aus. Wer weniger Stunden in der Woche arbeitet oder längere Zeit aussetzt, erhält schlechtere Beurteilungen. Die Personalberichte aus Hamburg und Schleswig-Holstein gestehen diese Benachteiligung offen ein. Besonders problematisch: Unterbleiben Beförderungen wegen Beurlaubung oder Teilzeit oder finden sie erst später statt, kann der Rückstand nicht mehr aufgeholt werden.

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Im Besoldungsrecht werden überwiegend von Frauen ausgeübte Berufe (Tätigkeiten) geringer bewertet. So werden die Lehrämter an Grundschulen, wo überwiegend Frauen tätig sind, regelmäßig mit A 12, an Gymnasien, wo die Männer dominieren, mit A 13 bewertet. Dass Grundschullehrerinnen weniger Verantwortung hätten, als Gymnasiallehrer ist nicht belegbar. Die GEW fordert deshalb A 13 als einheitliches Eingangsamt für alle Lehrämter.

Führen in Teilzeit ist möglich

Dass Frauen kaum in Führungsfunktionen aufrücken, ist Beleg für eine Kultur männlich dominierter Führung im öffentlichen Dienst. Dabei tragen Bund, Länder und Kommunen als öffentliche Arbeitgeber besondere Verantwortung, die Entlohnung diskriminierungsfrei zu gestalten. Das erfordert – vor allem bei den (männlichen) Führungskräften – ein grundlegendes Umdenken:

  • In der Beurteilungspraxis dürfen Auszeiten keine Rolle mehr spielen.
  • Beurlaubungen von Beamtinnen müssen sorgfältig vorbereitet werden. Während der Beurlaubung muss der Kontakt zur Dienststelle sichergestellt sein wie später die Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg.
  • Die vermeintliche Selbstverständlichkeit durchgängiger Anwesenheit am Arbeitsplatz und die Verfügbarkeit in den Abendstunden müssen bewusst in Frage gestellt werden.
  • Bei allen Ausschreibungen muss geprüft werden, ob die Stellen für Mütter und Väter oder Pflegende die Möglichkeit bieten, Beruf und Familie zusammenzubringen.
  • Ämter und Behörden müssen prüfen, wie Stellen in Teilzeit besetzt werden können. Bei entsprechender Absprache der Beteiligten und mit organisatorischen Änderungen dürfte dies nahezu bei jeder Stelle möglich sein.

Teamführung im Tandem


Dass Führungsfunktionen teilbar oder im Tandem zu bewältigen sind, belegt die hamburgische Verwaltung. Hamburg unterstützt Teilzeitbeschäftigte, die an Führungspositionen interessiert sind, seit einiger Zeit durch eine Teilzeitbörse. Hier können Beschäftigte auf die Suche nach Teilzeitpartnerinnen und -partnern gehen, mit denen sie sich gemeinsam für eine Führungsfunktion bewerben wollen.

„Ich bin mehr wert"

In den letzten hundert Jahren hat sich nicht viel getan in Sachen Entgeltgleichheit im öffentlichen Dienst. Auch die Ursachen sind nicht neu, die Mechanismen, die wirken, immer noch die gleichen. Doch DGB und Gewerkschaften lassen sich nicht entmutigen und fordern: Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit. Jetzt!

Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 08/2008











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