Ausgabe 2007/11: Gesundheit der Beschäftigten fördern – Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung stärken


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Gesundheit der Beschäftigten fördern – Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung stärken

DGB für Gesundheitsmanagement in der Bundesverwaltung

Der DGB ist seinem Ziel, die Gesundheit der Beschäftigten in der Bundesverwaltung zu erhalten und zu fördern, ein Stück näher gekommen. Er hat sich mit dem Bundesinnenministerium darauf verständigt, eine Rahmenvereinbarung zum Gesundheitsmanagement in der Bundesverwaltung zu schließen.

10 Jahre Krankenstandsberichterstattung

1997 wurde mit dem so genannten „Kanther-Erlass" die Krankenstandsberichterstattung in der unmittelbaren Bundesverwaltung dauerhaft eingeführt. Der Krankenstand – als „erheblicher Kostenfaktor" identifiziert – sollte mit Hilfe eines Maßnahmenkatalogs gesenkt werden.

Der DGB kritisierte damals den repressiven Charakter dieser Maßnahmen und forderte stattdessen, den Arbeitsschutz der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu verbessern, ihre Gesundheit zu fördern und ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Die Forderungen des DGB haben auch zehn Jahre später nicht an Aktualität verloren. Das lässt sich aus den Daten des im September vom Bundesinnenministerium veröffentlichten diesjährigen Krankenstandsberichts schließen.

Durchschnittliche Fehlzeiten auf hohem Niveau

Die Kernaussagen des Berichts haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten in der Bundesverwaltung bewegten sich auch 2006 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft auf hohem Niveau. Mit 15,37 Tagen je Beschäftigten lagen sie um etwa 66,5 Prozent über den durchschnittlichen Fehlzeiten insgesamt. Außerdem gilt: je höher die Laufbahngruppe, desto niedriger der Krankenstand. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten der Frauen lagen zum wiederholten Mal über denen der Männer. Neu ist allerdings, dass Beamtinnen und Beamte in allen Laufbahngruppen höhere Fehlzeiten als Tarifbeschäftigte hatten.

Ursachen liegen im Dunkeln

Über die Gründe für den Krankenstand kann nur spekuliert werden, da die Ursachen nicht erforscht werden. Der DGB kritisiert, dass der Bericht bis heute lediglich Aussagen über den Ist-Zustand macht. Und die Bundeskommission für Beamtinnen und Beamte des DGB hatte bereits 1997 darauf hingewiesen, dass die Differenzierung nach Status, Laufbahngruppen und Bundesbehörden wenig hilfreich sei. Eine Differenzierung etwa nach wechselschichtbezogenen Arbeitsunfähigkeitsfällen, altersbezogener Dauer der Arbeitsunfähigkeit und Dauer der Arbeitsunfähigkeit aufgrund einzelner Diagnosearten wäre aussagekräftiger.

Der Handlungsbedarf ist groß

Aber es gibt auch Fortschritte. Inzwischen trägt der Bericht die Überschrift „Krankenstand und Gesundheitsförderung in der unmittelbaren Bundesverwaltung". Dieser Titel ist dem Regierungsprogramm „Zukunftsorientierte Verwaltung durch Innovationen" geschuldet, mit dem die Einführung einer systematischen betrieblichen Gesundheitsförderung im unmittelbaren Bundesdienst beschlossen wurde. Die Behörden wurden deshalb über Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung befragt. Das Fazit der Abfrage überrascht nicht: Bei der Implementierung und dem Ausbau sowie der Verstetigung der Gesundheitsförderung bestehe weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.

Außerdem sollen ab dem Erhebungsjahr 2007 die Fehlzeiten nach Alter gewichtet werden. Dann wird ersichtlich werden, ob der Krankenstand in Zusammenhang mit dem vergleichsweise hohen Durchschnittsalter in der Bundesverwaltung steht.

DGB strebt Rahmenvereinbarung zum Gesundheitsmanagement an

Der DGB mahnt seit langem Handlungsbedarf bei der betrieblichen Gesundheitsförderung in der Bundesverwaltung an. Die Beschäftigten sind in immer kürzeren Intervallen von Reform- und Modernisierungsprozessen betroffen. Die Ansprüche an die Qualität der Arbeit steigen und erfordern mehr denn je gesunde, qualifizierte, motivierte und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Förderung der Gesundheit der Beschäftigten ist daher zwingend, wenn die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung erhalten und verbessert werden soll. Bereits im vergangenen Jahr hatten die stellvertretende Vorsitzende des DGB Ingrid Sehrbrock und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Möglichkeit eines gemeinsamen Projekts zur Gesundheitsförderung erörtert. Inzwischen hat die Arbeitsgruppe „Gesundheitsmanagement" des DGB den Entwurf einer Rahmenvereinbarung als Verhandlungsgrundlage erarbeitet. Am 17. Oktober fand ein erstes Treffen der Arbeitsgruppe mit dem Staatssekretär im Bundesinnenministerium Johann Hahlen statt. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die sich sowohl haupt- als auch ehrenamtlich mit den Themen Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung und Krankenstand befassen, schilderten ihre Eindrücke u. a. aus den Bereichen Bundespolizei, Bahn und Zoll.

Führungskräfte sind gefordert

Die Arbeitsgruppe machte deutlich, dass die Implementierung eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements mit klaren Zuständigkeiten notwendig ist, um alle Prozesse der betrieblichen Gesundheitsförderung bewusst steuern zu können. Außerdem muss Gesundheitsförderung Aufgabe aller Führungskräfte werden. Für die Umsetzung des Gesundheitsmanagements sind ausreichende und angemessene finanzielle und personelle Ressourcen erforderlich ebenso wie Professionalität und Kompetenz. Der Forderungskatalog des DGB wird Gegenstand der Verhandlungen mit dem Bundesinnenministerium sein, die noch in diesem Jahr fortgesetzt werden sollen.

Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 11/2007

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