Ausgabe 2007/10: Gemeinsam an einem Strang


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Gemeinsam an einem Strang

BMI, dbb und DGB wollen Fortbildung und Führungskräfteentwicklung in der Bundesverwaltung stärken

Am 5. Oktober 2007 haben Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der Bundesvorsitzende des dbb Peter Heesen und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer eine Vereinbarung zur Modernisierung und Fortbildung in der Bundesverwaltung unterzeichnet. Die Vereinbarung mit dem Titel „Für Innovationen, Fortbildung und Führungskräfteentwicklung in der Bundesverwaltung“ bindet Beschäftigte und Interessenvertretungen stärker als bisher in die Modernisierungsprozesse ein.

Darüber, dass es notwendig sei, die dienstliche Fortbildung in der Bundesverwaltung angesichts gegenwärtiger und künftiger Herausforderungen zu stärken, waren sich BMI, Beamtenbund und DGB von Anfang an einig. Dennoch steht die Modernisierungsvereinbarung am Ende eines längeren Verhandlungsprozesses.

Gegenseitige Verpflichtung

Für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften des öffentlichen Dienstes war u. a. entscheidend, dass der Verpflichtung der Beschäftigten, ihre „Leistungsfähigkeit und Kompetenz zu erweitern“, die Verpflichtung des Bundes gegenübersteht, die entsprechende Fortbildung auch zu gewährleisten. Mit ihrer Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Fortbildung konnten sich DGB und Gewerkschaften aber noch nicht durchsetzen.

Verhaltensorientierte Fortbildung

Dass neben den Maßnahmen zur stark dienstbezogenen Fach- und internationalen Fortbildung sowie zur Führungskräfteentwicklung auch Angebote im Bereich der so genannten verhaltensorientierten Fortbildung durch den Bund sichergestellt werden, haben DGB und Gewerkschaften dagegen erreichen können. Da die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in zunehmendem Maße durch steigende Anforderungen und wachsenden Zeitdruck bestimmt werden, wird ein ausreichendes Angebot an Fortbildungsmaßnahmen zu Arbeitsorganisation, Zeit- und Konfliktmanagement sowie Stressprävention garantiert.

Regelmäßiger Informationsaustausch

Die neue Modernisierungs- und Fortbildungsvereinbarung zeichnet sich gegenüber der alten Vereinbarung vor allem auch dadurch aus, dass die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen stärker als bisher in die anstehenden Modernisierungsprozesse eingebunden sind und diese mitgestalten können.

Ein „Konsultationskreis“, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern des BMI sowie des DGB und des dbb zusammensetzt, wird den regelmäßigen Informationsaustausch über die Entwicklung und Evaluation der Programme und Pläne sicherstellen. Die Gewerkschaften werden rechtzeitig und umfassend informiert, damit sie Stellung nehmen können. Darüber hinaus werden die Beschäftigten und ihre Personalvertretungen bei allen Modernisierungsprojekten der Behörden frühzeitig beteiligt.

Nutzen und Risiken des Bildungscontrollings

Die Modernisierungs- und Fortbildungsvereinbarung, die im Rahmen des von BMI, dbb und DGB gemeinsam veranstalteten Fachkongresses Bildungscontrolling unterzeichnet wurde, schreibt darüber hinaus fest, dass Fort- und Weiterbildung im Rahmen des Bildungscontrollings künftig regelmäßig auf Effektivität und Effizienz geprüft werden. Für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gehört ein „umfassendes Fortbildungscontrolling für die gesamte Bundesverwaltung“ zu den wichtigsten Leitsätzen, um die dienstliche Fortbildung zukunftsfähig zu machen. Auch sie müsse den Nachweis erbringen, dass die in ihrem Bereich eingesetzten Mittel „gut angelegt“ seien, betonte Schäuble auf dem Bildungskongress.

Den Nutzen von Bildungscontrolling hob auch Professor Reinhold Weiß vom  Bundesinstitut für Berufsbildung hervor. Allerdings dürfe dieses Instrument nicht dazu missbraucht werden, lediglich Einsparungen zu rechtfertigen.

Transparenz schaffen, Verbindlichkeit herstellen

Staatsekretär Johann Hahlen sieht durchaus Bedarf und Potenzial, die dienstliche Fortbildung zu optimieren. Sie müsse vor allen Dingen ihre Intransparenz, verlieren, ihre Zersplitterung überwinden und sich aus ihrer Unverbindlichkeit befreien. Außer einem einheitlichen Bildungsportal für alle Beschäftigten, klaren Fortbildungskonzepten und einem umfassenden Qualitätsmanagement forderte Hahlen ein ressortübergreifendes Steuerungs- und Koordinierungsgremium im Fortbildungsbereich.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer forderte die Einführung eines regelmäßigen  Bildungsberichts, der die Fortschritte in der dienstlichen Fortbildung dokumentiere und transparent mache. „Die Vereinbarung enthält eine Option auf einen Bildungsbericht, die aus unserer Sicht genutzt werden sollte", plädierte Sommer.

Der „Faktor Mensch“

Daran, dass Fortbildung der Beschäftigten vor allem auch eine Aufgabe der Führungskräfte ist, erinnerte Professor Dieter Frey von der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Wie wichtig die Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit der Mitarbeiter/innen sei, werde nach wie vor vielfach unterschätzt. Um diese Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen, gebe es wirksame Instrumente wie beispielsweise Lernzeitkonten oder Bildungsgutscheine, erinnerte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Sie forderte alle Beteiligten dazu auf, in der aktuellen Debatte über eine zukunftsfähige  dienstliche Fortbildung auch über den Nutzen solcher Instrumente nachzudenken.

Mehr Informationen:

Die Modernisierungs- und Fortbildungsvereinbarung u. a. unter www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/m/modernisierungsvereinbarung.
pdf Weitere Informationen unter www.verwaltung-innovativ.de

Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 10/2007

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